Warum Schräglagentraining, ist das nur was für Racer?

Eine Geschichte zum Nachdenken:

Es geht nicht um Motorradfahrer die durch Unerfahrenheit ihr Motorrad relativ langsam bewegen.
Angsprochen werden die Fahrer, welche sich im fälschlichen Glauben befinden, sie bräuchten weder lernen noch üben,

weil sie ja immer schön langsam fahren - und da kann ja nix passieren!
Wir verneinen hirnloses Rasen im öffentlichen Strassenverkehr!


Zu schnell?


"Zu schnell" ist das Kästchen im Polizeibericht, welches angekreuzt wird, obwohl sie keine Ahnung haben was eigentlich passiert ist. "Zu schnell" ist immer eine Folge eines anderen Fehlers. Unfälle entstehen durch:
"zu unaufmerksam", "zu blind", "verkrampft", "völliger Selbstüberschätzung", "unerfahren" oder in anderen Gründen.

Man kann mit 80 Km/h mitten durch einen Ölfleck fahren oder daran vorbeizirkeln, weil man weit vorausschauend fährt.

Kommt es jedoch zum Sturz, steht warscheinlich im Unfallbericht:
überhöhte Geschwindigkeit!


Ist immer langsam fahren sicherer?


Folgendes Szenario - jeder kennt es, die berühmte "Hundekurve".

Du fährst in eine Kurve und merkst erst am Scheitelpunkt, dass sie "zumacht", also ihren Radius verkleinert.
Jetzt kommt der "Racer". Er erkennt die Situation und weiss, dass er, um die Kurve zu "kriegen", sein Motorrad extrem in Schräglage bringen muss.

Da er extreme Schräglage nicht scheut wird es ihm nichts ausmachen um die Kurve zu kommen.

Jetzt kommt der besonnene Tourenfahrer, der im Laufe seiner vielen Kilometer die eigene Schräglage auf 30° gebracht hat.

Aber nicht mehr, das macht er nicht. Viel zu gefährlich!!!
Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie dieser reagiert.

Er gerät in Panik, verkrampft und denkt: "Es wird enger... VIEL enger, das geht nicht! "

Schnell wird ihm klar, dass er weit mehr als 30° benötigt um die Kurve zu kriegen.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er in dieser extremen Situation über seine Grenze geht.

 

Er hat mehrere Möglichkeiten.
1. Bremsen:
 - Das Vorderrad blockiert und rutscht weg.
 - Das Motorrad richtet sich auf, obwohl mehr Schräglage benötigt wird und dadurch geht es mehr oder weniger      geradeaus.
2. Mehr Schräglage:
- Er versucht tiefer zu gehen, da er es aber nicht kennt und ihm so ganz anders als wohl dabei ist, verkrampft er.

Vieles mag so gehen - aber Motorradfahren garantiert nicht. Wahrscheinlich bremst er jetzt (siehe Möglichkeit 1)

oder kommt ungebremst von der Strasse ab.
3. Der ganz Tapfere:
- Er versucht alles, weiss aber nicht wie es geht. Womöglich verreist er den Lenker.....


Falls dieser Tourer es nicht schafft (mit einer Riesenportion Glück wider Erwarten), unbeschadet aus dieser Hundekurve zu kommen wird es teuer, meistens schmerzhaft und leider auch manchmal tödlich.
Es gibt noch noch viele andere Beispiele dafür, dass das Üben von Extremsituationen dir das Leben retten kann.
Zugegeben, der Racer wird öfter in solche Situationen kommen. Aber irgendwann erwischt es jeden!


Was auch noch eine kleine Rolle spielt: Tiefe Schräglagen machen enormen Spass, machen süchtig!
Wär doch schade, so etwas zu verpassen, oder?


P.S. natürlich haben wir absolut nichts gegen Tourenfahrer, es ist nur ein Beispiel, wie es sein könnte!


Ein Schräglagentraining ist nicht nur für "Racer" .